Frei stehen in Zeiten von Corona ein großes Problem

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Seit nun 13 Wochen befinden wir uns in Deutschland im Ausnahmezustand. Von jetzt auf gleich schließen Geschäfte, Hotels, Freizeiteinrichtungen, Campingplätze und nicht zuletzt die Grenzen. Alle Gesellschaftsschichten sind betroffen und man stellt sich auf einige ungewöhnliche Wochen ein, die von Einschränkungen geprägt sein werden.

Vanlifer wie Camper haben in den Zeiten von Corona ein Problem, welches leider kaum Beachtung findet. Zu klein und unbekannt ist in der Gesellschaft die Gruppe derer, die nach dem Lockdown mit großen Problemen zu kämpfen haben. Es sind die Menschen, die sich entschlossen haben Vollzeit in ihrem Van zu leben und als Nomaden ihr Leben zu gestalten. Diese Menschen haben keinen festen Wohnsitz, sie leben und arbeiten aus ihrem Camper/Bus/Wohnmobil heraus und sind meistens viel in Bewegung und dies auch im Ausland.

Einige dieser fahrbaren Wohnungen sind Autark. Andere wiederum sind auf Strom und sanitäre Einrichtungen angewiesen. Was sie jedoch alle gemeinsam haben ist, dass sie einen Stellplatz zum Übernachten brauchen. Durch die Schließung der Campingplätze und offiziellen Stellplätze, wurde diesen Menschen von jetzt auf gleich die Grundlage ihrer Versorgung genommen. Doch nicht nur das. Wohnmobile oder Camper gelten als Reise-Mobile und vermitteln den Eindruck von Urlaub und Entspannung. Wo auch immer also ein Nomade mit seinem Fahrzeug steht, erntet er in dieser Zeit böse Blicke und stößt auf Unverständnis. Oftmals wurde auch die Polizei alarmiert, denn offensichtlich hält sich jemand im Lockdown nicht an die Regeln.

In Deutschland hörte man schon viel Negatives aus der Richtung. In anderen Ländern Europas sieht es jedoch noch viel schlimmer aus. Besonder angespannt ist die Lage in Großbritannien. Immer wieder hört man, dass in Foren über Fälle, in denen die Vanlifer vertrieben, ausgegrenzt und beschimpft werden. Einige Fälle schaffen es sogar in die bekannten Medien: Beispiellink

Fakt ist, dass viele Menschen in Europa in ihrem „Motorhome“ leben und nicht einfach so Zuhause in ihrer Wohnung bleiben können. Diese Menschen brauchen in dieser Zeit einen Zugang zu Infrastruktur wie Strom, Nutz- und Trinkwasser, Dusche, Toilette und nicht zuletzt einem Stellplatz.

Das positive an der ganzen Sache ist, dass viele Menschen dieses Problem erkannt und sofort versucht haben zu helfen. So auch Karin, die Gründerin dieser Seite. Zusammen mit Georg Schulze sind sie dem Beispiel aus anderen Ländern gefolgt und haben mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln eine Google Karte aufgebaut, in der sich Menschen eintragen können, die genau diese Infrastruktur anbieten. Viele haben sich aus der Community beteiligt und ihren Garten oder Hof zur Verfügung gestellt. Nicht selten wurden sogar Strom, Wasser und eine Dusche angeboten sowie Gemeinschaft mit weiteren Menschen. In fast jedem Land entstanden Hilfsangebote und vielen Menschen konnte geholfen werden.

Als ich persönlich auf das Problem aufmerksam wurde, war ich über das Ausmaß des Problems erschrocken. Denn immerhin bewege ich mich schon seit mehreren Jahren in der Vanlife Community, organisiere Vanlife-Treffen und habe Kontakt zu sehr vielen Vollzeit Vanlifern. Durch den Kontakt zu Karin und anderen Helfern aus Frankreich, Italien und Großbritannien ist dann der Wunsch entstanden, ebenfalls zu unterstützen. Immer wieder kam das Feedback, dass es recht aufwendig sei, die Hilfsangebote zu organisieren und in der manuellen Karte zu pflegen.

Als VanlifeLocation Team haben wir dann beschlossen, eine komfortable Lösung für das Problem zu bauen. Denn die VanlifeLocation App war zu der Zeit bereits in 6 Sprachen im Apple und Google Store und bietete demnach eine gute Plattform.

vanlifelokation coronas hilfe

Nach einer sehr intensiven Entwicklungswoche und einigen Nachtschichten, haben wir in sehr kurzer Zeit einen fast vollautomatisierten Prozess entwickelt, welcher die manuellen Karten ablösen konnte und das Angebot über Ländergrenzen Hinweg zur Verfügung gestellt hat. Mit 2 Klicks und binnen von 5 Minuten ist es aktuell möglich, ein Hilfsangebot in die App zu bringen. Einige Länder haben daraufhin ihre Karten ebenfalls mit der App verlinkt und konnten damit eine größere Menge an Vanlifern erreichen.

Neben den orangenen Pins (freie Stellplätze in der Natur) werden nun die blauen Pins dargestellt. Jeder weitere  Pin stellt dabei ein Hilfsangebot dar (Stellplatz, Strom, Wasser, Toilette, Dusche oder Wifi). Nach Klick auf das Hilfsangebot sieht man ein Foto mit einer Kurzbeschreibung, dem Standort und der vorhandenen Infrastruktur. Wenn das Angebot interessant ist, kann man direkt den/die BesitzerIn entweder anrufen oder ihm/ihr eine Email zusenden. Die Funktionalität steht für alle kostenlos zur Verfügung.

Falls auch du unterstützen möchtest, so findest du  auf der folgenden Seite mehr Infos dazu und ein Formular (Deutsch und Englisch), über das du dich mit deinem Hilfsangebot eintragen kannst.

https://vanlifelocation.com/corona

Aktuell ist  es so, als würden bald die Campingplätze und weitere Einrichtungen wie Fitnessstudios wieder öffnen. Dies ist positiv, denn dann kann für viele wieder etwas mehr der Alltag einkehren. Eine gute Übersicht über die Regelung in den einzelnen Bundesländern findet ihr auf der ADAC Seite.

Über die VanlifeLocation App

Die VanlifeLocation App ist eine Community basierte Plattform, die Europaweit ausschließlich kostenlose Stellplätze in freier Natur anbietet. Dabei kann jeder einen gefundenen Stellplatz eintragen und bestehende Stellplätze bewerten. Alle Plätze sind zum Übernachten geeignet und befinden sich überwiegend in unmittelbaren Nähe zur Natur.

https://vanlifelocation.com

Illustration by Willze

Nic Vanlifelocation

Nikita ist begeisterter Vanlifer, seitdem er 2016 das erste Mal in einem Camper übernachtet hat. Als Organisator der VanlifeGermany Gruppe Rhein-Main organisiert er Vanlife Treffen, baut gerade zum dritten Mal einen Camper aus und ist Gründungsmitglied von VanlifeLocation. Das Campen verbindet er oft mit Wandern oder Bergsteigen.

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