Kim, realistische Träumerin und Yogalehrerin lebt mit Van und Wohnwagen ihr freies Leben.

Portrait Kim Kapischke

1) Wie lebst Du als “Vanlove Girl” das Vanlife? Machst Du Ausflüge am Wochenende, Urlaub oder lebst Du dauerhaft im Van? Wie bist du dazu gekommen? Erzähl uns deine Geschichte.

Seit 2019 bin ich ein Ausflugs-Vanlife Girl. Ok, mittlerweile vielleicht etwas mehr als das. Ich bin wahnsinnig froh, mich 2019 schon für meinen Bus entschieden zu haben. Wobei es wohl ein wenig Fügung war – ich hatte gerade halbwegs das Geld zusammen und der passende Bus kam (dank Karin) auch eher direkt zu mir. Da konnte ich nicht anders. 

Das hat mir mein 2020 verdammt gerettet. Als Kulturmanagerin und Yogalehrerin sind durch Corona erst mal fast alle meine Jobs weggefallen. Auch wenn Reisen nicht wirklich möglich war, konnte ich mit dem Bus viel in der Natur sein, was mir wahnsinnig geholfen hat, klar zu kommen. 

Ich habe fast den ganzen Sommer 2020 im Bus verbracht und komme seitdem nicht mehr los. 

Mittlerweile habe ich auch einen alten Wohnwagen renoviert, mit dem ich auf einem Waldcampingplatz in der Nähe von Berlin fest stehe. Um auch von draußen arbeiten zu können, wenn ich nicht unterwegs bin. Auf diesem Campingplatz unterrichte ich seit 2 Jahren auch Yoga, im letzten Jahr habe ich dort mein erstes Yoga- und Campingretreat angeboten. Als Gegenpool zu der „fancy“ Yogaentwicklung, die für viele Menschen aus meiner Blase nicht finanzierbar ist.

Ich muss gar nicht immer unterwegs sein, und noch halte ich es im Winter auch in der Stadt aus. Aber schauen wir mal, was sich noch entwickelt. Mit WG-Zimmer, Bus und Wohnwagen kann ich gerade wählen, wo und wie ich gerade sein möchte und muss mir selber keinen Entscheidungsdruck machen. Das passt aktuell ganz gut. Diesen Sommer werde ich wohl weitestgehend draußen sein. 

Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt…

Portrait Kim Kapischke

2) Besitzt Du schon deinen eigenen Van? Hast Du deinen Bus selbst ausgebaut oder ein Modell “von der Stange”? Wie fiel die Entscheidung auf dieses Fahrzeug?

Ich besitze meinen eigenen Bus. Wie schon geschrieben, kam er eher zu mir. Ich kenne Karin (die Gründerin von der Vanlove Girls) von Festivaljobs (oh, was für wilde, verrückte, wunderbare Zeiten) und habe sie vor ein paar Jahren sehr für ihren Mut bewundert, in den Bus zu ziehen. 

Als Kind war ich mit meinem Papa jeden Sommer wochenlang im Boot auf dem Wasser unterwegs – und habe immer mehr gemerkt, ich will das auch. Die Möglichkeit, unterwegs zu sein. Ich habe sehr früh zu Karin gesagt, wenn sie den Bus verkaufen will, dann soll sie mir zuerst Bescheid geben. 

2019 kam ich aus einem längeren Surfurlaub aus Costa Rica zurück und war sehr verloren in meiner Berliner Wohnung. Ich weiß noch, wie ich auf dem Balkon saß und Rechnungen geschrieben habe und dann hat mein Handy gesummt. „Wenn du magst, kannst du den Bus jetzt haben.“ In dem Fall ging Herz wirklich über Verstand (obwohl mir Karin sehr viele technische Details geschickt hat, aber ich hatte null Ahnung). Aber ich hatte Vertrauen, ein gutes Gefühl und einen Papa, der die technischen Details doch gecheckt und für gut befunden hat.

Ich habe den Bus dann im April 2019 übernommen, als Karin ihren Postbus bekommen hat. Obwohl ich mich sofort zuhause gefühlt habe – bei der Übergabe habe ich direkt drin geschlafen – habe ich dann doch ein bisschen Deko weggebaut. Ich bin weniger verspielt und anders kreativ als Karin. Es war z.B. wahnsinnig helles LED Licht drin, weil Karin darin genäht hat – das musste raus. 

Mein Leselicht jetzt ist aber nicht wirklich besser 🙂 

Der Bus war und ist sehr liebevoll und alltagstauglich ausgebaut. Die Solaranlage und der „Kühlschrank“ waren schon drin. Da wäre ich selber so schnell nicht drauf gekommen und würde ich immer wieder so machen. Essen ist mir sehr wichtig, und ich feiere ihn immer noch jeden Tag. 

Portrait Kim Kapischke

3) Wo bist Du am liebsten unterwegs, erzähle uns gern deine Liebste Geschichte?

 Wo ich am liebsten unterwegs bin, kann ich gar nicht sagen. Hauptsache, unterwegs. Es gibt so viele schöne Orte und Plätze. Ich bin immer wieder erstaunt, dass es gar keine weite Strecke braucht, um diese zu finden. Und ich liebe dieses Gefühl, dass ich überall stehen kann, und zuhause bin. 

Letztes Jahr war ich surfen in Frankreich und habe die letzte Strecke nach Hause unterschätzt. Am Ende habe ich mit meinem Mitbewohner (mit dem ich surfen war) auf einem Autobahnparkplatz in der Eifel verbracht, weil wir nix anderes gefunden haben und wahnsinnig müde waren. Wirklich, nur LKWs um uns rum. Und aber dieses gemütliche Gefühl, zuhause zu sein, als wir uns ins Bett gelegt haben. 

Da war mir wirklich klar, es braucht nicht immer das tolle Setting, ich kann so richtig (RICHTIG) scheisse stehen, ich hab es gut, ich bin zuhause. 

Portrait Kim Kapischke

4) Wie verdienst Du Geld um dir das Reisen zu ermöglichen? Bist Du in einer Festanstellung oder verdienst Du dir Deinen Lebensunterhalt bei Jobs auf der Reise? Hast Du ein eigenes Online-Business, dann erzähle uns gern etwas darüber!

Gute Frage. Bis vor Corona habe ich 6-8 Monate im Jahr festangestellt für ein großes Filmfestival gearbeitet, in der restlichen Zeit ein paar Jobs für Musikfestivals gemacht und angefangen als Yogalehrerin zu arbeiten. Das war sowas von dem, was ich wollte. Seit C habe ich 3 Jobs gemacht, die Vollzeit waren und mehr oder weniger zu mir und meinem Lebensplan gepasst haben/ passen. So ging es aber vielen in meiner Blase. Ich finde gerade meinen Weg zurück zu dem, was ich mir vorstelle, bin dabei aber geduldig. Zumindest versuche ich es.

Aktuell arbeite ich noch in einem sehr verantwortungsvollen Vollzeitjob und unterrichte parallel Yoga – was für mich ein wundervoller Ausgleich ist. Ich habe im Sommer zwei Retreats auf dem Wald- und Naturcampingplatz geplant und unterrichte in zwei tollen Berliner Studios. Zudem habe ich meine eigene Online-Yogaklasse auf den Weg gebracht, mit einem eigenen Konzept, bei dem ich meine Schüler*innen von überall auf der Welt ähnlich wie im Studio betreuen kann. Und, mein Highlight, ich habe mit Emily, die ich vor 10 Jahren beim surfen auf Bali kennengelernt habe, ein Yoga- und Naturretreat in Galtür auf die Beine gestellt. Wir haben uns komplett online abgestimmt, einmal die Woche gezoomt und das geplant, was wir uns selber als „Woche für uns“ wünschen würden.

Von Juli – September werde ich mich also komplett dem Draußensein und Yogaweitergeben widmen. Sind wir ehrlich: davon werde ich natürlich nicht leben können. Trotzdem mache ich jetzt diesen Schritt. Ich sehe mich selber als realistische Träumerin. Ich kann so in dem Vollzeitjob nicht glücklich werden, ich kann aber noch nicht vom Yoga unterrichten leben – zumindest nicht so, wie ich Yoga-Weitergeben verstehe.

Ich arbeite gerne remote, aber auch so unfassbar gerne im Team an Projekten, an die wir gemeinsam glauben. Ich glaube fest dran, dass ich wieder eine Mischung finde, die für mich funktioniert. Es bleibt spannend.

Kim Kapischke

5. Was sind deine Stärken und was deine Schwächen im Bezug auf das Vanlife?

Meine Schwächen im Bezug auf das Vanlife sind sicherlich, dass ich neben all meiner Freiheitsliebe eine krasse Freundin von Verbindung und Verbundenheit bin. Ich bin sehr loyal, ich brauche meine Freund*innen um mich. Das ist durch C weniger geworden, aber mir dadurch auch sehr bewusst geworden. Ich war durch die Festivalarbeit immer viel unterwegs, aber ich brauche eine Basis. Und ich brauche finanzielle Sicherheit. Und genau darin finde ich aber auch meine Stärken. Meine Basis sind meine Freund*innen und meine Familie, die das Unterwegssein schon vor dem Vanlife gewohnt waren, es teilweise auch leben oder gelebt haben (danke, Papili). Meine WG, in der ich seit 12 Jahren mit meinem besten Freund lebe – mit allen Höhen und Tiefen – aber die mir eine feste Base in Berlin bietet. Und dass „finanzielle Sicherheit“ für mich bedeutet, dass ich immer alles machen kann. Ich dachte vor C, dass ich „zur Not halt immer kellnern gehen kann“. Ich kann aber viel mehr, ich kann mich wenn es drauf ankommt auch richtig einarbeiten in einen verantwortungsvollen Vollzeitjob. Das habe ich in den letzten zwei Jahren gelernt. Ich kann das. Ich kann aber auch wieder loslassen, wenn es sich nicht gut anfühlt. 

Ich möchte unabhängig sein. Und frei. Auf vielen Ebenen, aber vor allem beruflich und wohnlich. Ich möchte Beziehung leben, meinen Freund*innen und mir gerecht werden. Mittlerweile kann ich annehmen, dass das ein kleiner Konfetti-Traum ist. Aber mit Abstrichen hier und da werde ich wohl leben können.

Hier findest Du Kim